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13. Juli 2018

„Mutig spiele ich Titanic“ am Bug unseres Gefährts – die Eleganz von Kate und Leonardo habe ich allerdings noch nicht erreicht. Die See war gestern so ruhig, dass der Schritt auf die Empore für eine Landratte machbar war – auch wenn es von dort gut 25 m bis zum Wasser runtergeht…

Gestern war perfektes Wetter, 25 Grad, das Meer etwa gleich warm; wir sind bereits im Golfstrom. Gesehen haben wir neben Wasser ein Schiff, wie alle Tage Delphine, einen Wal, vorgestern hatte es von letzteren einige, die auch schön geblasen haben, sowie ein paar Vögel und Duri hat heute früh auch noch fliegende Fische beobachtet. Müll hat es wenig, aber eben schon auch.

Die hoch aufgebauten Container knarren leise vor sich hin, heute etwas mehr, denn wir haben seit heute früh eine gute Dünung, die vom Hurrikan der letzen Tage vor der amerikanischen Ostküste stammt. Der Sturm hat sich über Nacht vor Neufundland aufgelöst und der Kapitän erwartet weiterhin ruhiges Wetter mit etwas stärkerem Wellengang.

Treppen und damit das Treppensteigen sind unsere wesentlichste tägliche körperliche Ertüchtigung. Sei es draussen oder drinnen, immer geht es hoch und runter. So um die 60 Stockwerke am Tag kommen locker zusammen. Wenn man nicht gut zu Fuss ist, geht so eine Reise nicht.
Die Sonnenauf- und untergänge sind mit kitschiger Note täglich beeindruckend schön.

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12. Juli 2018

Der gestrige Tag lachte uns schon am frühen Morgen an – ein Morgen, der in den letzten Tagen jeweils eine Stunde später anfing.

So schnell geht das hier auf dem Atlantik: Eben hatten wir noch einen heiteren, sonnigen Morgen und zwei Stunden später regnet es bereits. Wir sind direkt in eine Regenwand gefahren, die ihrerseits auf uns zukam. Irgendwo am Horizont ein Schiff – mittlerweile ein seltener Anblick. Woher? Wohin? Ab und zu sieht man Vögel, die akrobatisch über die Wellen flitzen in dieser endlosen Wasserwüste. Auch Delphine tauchen immer wieder auf – und ab.

Exkursion in den Maschinenraum. Christoph fragte beim BBQ zwischen zwei Bieren den eher wortkargen und meist etwas unwirschen russischen Chefingenieur, ob wir mal sein Reich besichtigen dürfen. Dieser willigte ein, wenn auch mit verhaltenem Enthusiasmus. Als Technikignorant kann man natürlich nicht viel anfangen mit den spärlichen, sowohl sprachlich als auch akustisch kaum verständlichen Angaben des geheimniskrämerischen Ingenieurs. Aber man steht natürlich stark beeindruckt in dieser vergleichsweise sauberen Riesenhalle mit all den Apparaten, Maschinen, Rohren, Treppen, usw. Die etwa baumstammdicke Antriebswelle gibt einem eine Ahnung von den Kräften, die hier wirken. Nach dem Rundgang erholten wir uns zuerst auf einem der zahlreichen Terrässchen von Hitze und Lärm – die obligatorischen Gehörschutzpropgen haben vor allem symbolischen Wert.

11. Juli 2018

Es ist wirklich niemand in der „Nachbarschaft“!
Nachdem wir nochmals eine dreistündige Motorenpanne hatten, gingen wir gestern Mittag dann wieder einmal um den Block und inspizierten den Kahn noch ein bisschen genauer. Er ist wirklich alt.
Am Nachmittag war dann Spanferkel Barbecue angesagt. Es dauerte etwa 5 Stunden bis die Sau gar war. Die Filipinos organisierten eine coole Party am Heck – unter knarrenden Containern mit gutem Motorenlärm – an der alle Besatzungsmitglieder teilnahmen. Es war eine gute Stimmung, multikulti mit Russen, Ukrainern, Rumänen, Polen und uns 4 Passagieren. Auch der Kapitän war in guter Stimmung und hat einiges aus seinem Seefahrerleben erzählt.
Heute früh liegen wir schon etwas westlich der Azoren. Der Handyempfang ist gut, also raus mit dem Blog.

9. Juli 2018 – 2

Gut Ding will Weile haben – oder was 9 Tage auf dem Meer so bewirken

Die See ist ruhig und ladet zum Bade. Heiri, Ruth und Emmi, Bernhard und auch Beatrice springen vom sicheren Boot frohgemut ins kühle Nass. Fröhlich plätschern sie vor sich hin. Papa Hai und Sohn Haili ziehen ihre Runden am Vater-/Sohnwochenende.
Hali ist entzückt ob der nackten und appetitlichen Schenkel und fragt Papa:“Wollen wir die nicht beissen?“ Papa Hai sagt:“Gemach, gemach!“ Ruhig und bedächtig umkreisen Haili und Papa Hai unsere Schwimmenden.
Haili wird ungeduldig: “Wann können wir zubeissen?“ „Geduld mein Sohn, ausgeschissen schmecken sie am besten!“

9. Juli 2018

Bei perfektem Wetter sind wir gestern nach der Strasse von Gibraltar Richtung offener Atlantik weiter gefahren. Der nächste Fixpunkt sind die Azoren, die wir aber wohl nicht sehen werden, da unser Kurs ca. 50 Nm südlich liegt. Knappe 2 Tage wird es dauern bis wir in der Gegend sind.
Gestern war Sonntag und der Koch hat keine Mühe gescheut und sehr gut gekocht, Kuchen und Eis inklusive. Ansonsten ist die Verpflegung reichlich, einfach, ziemlich Fleisch lastig aber ganz okay.
Gegen 12:00 Nachts kam dann doch einige Hektik auf. Schrillender Alarm und Stromausfall haben uns und die Anderen aus dem Bett gerissen. Das Ganze war schon ungemütlich, da auch der Motor noch stoppte, die Besatzung mit Taschenlampen bewehrt, die Ursache suchte und wir mitbekamen, dass sie auch nicht wusste, was denn die Ursache war. Allerdings blieben alle ruhig und nach ca. 1 Stunde wurde die Maschinerie wieder Schritt für Schritt hochgefahren. Wir hatten dabei Gelegenheit einen Supersternenhimmel inklusive Milchstrasse ohne Fremdlicht zu bestaunen… Gegen 01:30 waren wir dann wieder im Bett und nach weiteren 15 Minuten entspannen zum wieder vorhandenen und gewohnten Motorgeräusch, schliefen wir dann weiter.
Heute früh, eine Stunde später, da wir das erste Mal die Uhren zurückstellten, wurden wir mit Wolken und merklich kühleren Temperaturen geweckt. Hier gibt es nur noch Wasser, es sind keine anderen Schiffe in Sicht.

8. Juli 2018

Mit schöner Abendstimmung ging es gestern der Costa Blanca entlang, der Mont Go sah dabei wie ein Vulkan aus. Das Meer war und ist ruhig; ein ganz schwaches Rollen spüren wir aber trotzdem manchmal.
Heute früh gingen wir auf Schiffsinspektion. Es hat hier sehr viele Ecken zum entdecken: Werkstatt (beim Bug), Entsorgungsstation, Ankerketten, Taulager, etc. Alles ist etwas abgelebt.
Wir verbrachten dann eine gute Stunde am Bug, wo es sehr ruhig ist. Ohne Motorenlärm, ohne Vibrationen und erstaunlicherweise auch ohne Wind gleitet unser Schiff mit 18 kn ganz leise über das Meer. Delfine kommen in Scharen und beschäftigen sich mit der Bugwelle. Das war sehr schön anzusehen.
Auf dem Weg nach Gibraltar hat uns dann noch ein 18‘000 Container fassender Superkahn überholt. Da sind wir mit 4000 ganz klein – obwohl auch unser Schiff fast 300 m lang ist.
Der Felsen von Gibraltar, wie auch die afrikanische Küste sind nur durch viel Dunst zu sehen; eindrücklich ist die Passage aber trotzdem.
Jetzt drücke ich den Blog noch ab, die Internetverbindung ist bald nicht mehr vorhanden. Falls wir etwas über die Satellitenverbindung versenden können, schreiben wir weiter, ansonsten dann wieder am 16. Juli aus New York.

7. Juli 2018

Ein schwüler Samstagnachmittag im Hafen von Valencia, der sich bei Tageslicht besehen als recht weitläufig erweist (angeblich der grösste im westlichen Mittelmeer). Nach der fast eintägigen Wartephase gestern, die wir mehrheitlich im Driftmodus rund zwölf Seemeilen vor dem hiesigen Hafen verbrachten, konnte unser Frachter irgendwann nach Mitternacht – wir hatten uns bereits zur „Ruhe“ (gibt‘s zwar nicht bei permanentem Motorenlärm) gelegt – endlich anlegen. Um 2 Uhr nachts war auf jeden Fall viel Betrieb: Container raus, Container rein.

Den „freien“ Tag nutzten wir für einen kurzen Stadtbesuch in Valencia; der Käpt‘n erlaubte uns Ausgang bis 14:00, dank Shuttle-Service und Taxi genug Zeit für einen kurzen Bummel durch die am Samstagmorgen noch nicht allzu belebte Stadt. Auf den ersten Blick wirkt das Stadtzentrum von Valencia gepflegt, wohlhabend und sehr ansprechend mit seinen zahlreichen gut erhaltenen Jugendstilbauten. Die Kathedrale betrachten wir nur von aussen (8 € scheint uns etwas vermessen), erfreuen uns aber dank dem „Tag der offenen Tür“ an einem Blick in die „Generalitat“ – muy rico!

Da Valencia voraussichtlich unser letzter Hafen in der alten Welt ist, decken wir uns

vor der Atlantiküberfahrt noch mit etwas flüssigem Proviant ein. Bei der Rückfahrt in das Hafenareal werden wir beim Kontrollposten gründlich inspiziert – im Unterschied zur Ausfahrt bzw. dem Eintritt ins Schengenland.

Mittlerweilen ist es 15:00 und es gibt erste Anzeichen dafür, dass wir in absehbarer Zeit auslaufen werden. Wenn der Kapitän das Tenue wechselt – weisses Hemd und schwarze Hose – weiss man, dass es ernst gilt. … Unterdessen haben wir volle Fahrt Richtung Meerenge von Gibraltar aufgenommen.

6. Juli 2018

Seit heute früh liegen wir vor Valencia und warten, dass wir in den Hafen einfahren können. So gegen 18:00 – nach 12 Stunden driften – ging es etwas vorwärts; eine halbe Stunde später war dann aber wieder Schluss und so warten wir halt weiter…
Die Crew hatte dafür Zeit uns einiges zu erklären. Da gibt es schon interessante Dinge wie die Nutzung von Ballastwasser, das Heelingsystem gegen das Rollen, das Trimmen des Schiffs, etc.. Noch sind wir ganz am Anfang beim Verstehen der komplexen Mechanik und Logistik; wir hoffen aber, dass wir bis NY uns damit einigermassen auskennen. Die Aussicht heute war anhaltend schön und einförmig.

5. Juli 2018

Gestern, am späteren Nachmittag liefen wir in Fos bei schönstem Wetter wieder aus und dann ging es direkt über den Golf du Lion Richtung Spanien. Nach guter Nachtruhe erwachten wir dann bei der Einfahrt in den Hafen von Barcelona.
Dieser ist sehr geschäftig, es hat auch einige eigentümliche Schiffe und er liegt auch in der Anflugschneise des Flughafens. Von Barcelona selbst haben wir nichts gesehen, da wir am Morgen noch nicht wussten, dass wir dann doch mehr als 12 Stunden hier liegen werden.
Heute sind 2 weitere Passagiere zugestiegen. Ein junges, angenehmes Pärchen aus Chicago reist mit uns nach New York.
Wie schon geschrieben hat sich unser Schiff schon einige (18) Jahre auf See getummelt. Die „Bridge Wing Unit“ – diese braucht es für die Hafenmanöver – sieht schon fast historisch aus.
Um 20:30 sind wir heute dann wieder los und sollten so in 12 Sunden in Valencia ankommen.

4. Juli 2018

An diesem sonnigen, schwülwarmen Morgen des 4th of July senden wir zuerst unsere herzlichen Glückwünsche an das Land unseres Reiseziels und an Noemi bint Christoph.

Es ist 10:00, draussen rumoren die Motoren und unablässig werden Container beladen bzw. entladen – ein beeindruckendes Logistikschauspiel. Ursprünglich hätten wir heute Morgen hier ablegen sollen; aus logistischen Gründen verschiebt sich die Abfahrt auf den frühen Nachmittag. Das vorsichtige Ablegen, anfänglich im Zeitlupentempo, und die anschliessenden Manöver, um aus dem Hafen auszulaufen, sind für uns Landratten ein höchst spannendes Spektakel, dem wir unbedingt beiwohnen wollen – also Zeit für die Bloggerei und eine erste Ladung Wäsche.

Den gestrigen “freien Nachmittag” vor Anker nutzten wir für einen Landausflug ins (relativ) nahe Port Saint Louis, den nächsten Ort. Im Unterschied zu Genua gibt es hier keinen Shuttle vom Pier bis zum Hafen-Check-point oder gar noch weiter. Also ziehen wir zu Fuss los, können dann aber mit einem freundlichen jungen Hafenarbeiter ein Stück mitfahren (wenn ich ihn richtig verstanden habe murmelte er etwas von “locos”). Der Marsch in dieses provenzalische Provinzkaff gehört nicht zu den touristischen Highlights der Camargue – die Mühe des Marsches in der Hitze wurde durch ein kühles Kronenbourg gelohnt. In einer Bar verfolgten wir dann den Match gegen Schweden; der Zufall wollte es, dass sich nach einer Weile auch ein schwedisches Paar dort einfand. So viel Jubelenthusiamus wie beim 0 : 1 traut man diesen Nordländern gar nicht zu…

Da das Abendessen an Bord bereits um 18:00 bereit steht (SB) und es im “Bled” um diese Zeit – wenn überhaupt – noch gar nichts gibt, deckten wir uns im Supermarché ein, in der naiven Vorstellung, anschliessend per Taxi zu unserem Kahn chauffiert zu werden. Doch weit gefehlt! Um diese Zeit (18:40) scheinen die lokalen Taxis entweder anderweitig beschäftigt zu sein oder bereits am Apero… Nun, man hatte uns gewarnt in der Bar: seid nicht zu spät! Also geben wir uns sportlich und geniessen den warmen Camargue-Wind und die romnatische Abendstimmung auf Schusters Rappen, dabei bei jedem Motorengeräusch den Daumen raushaltend in der Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit. Die bot sich dann auch nach einer Weile. Ein fruendlicher Kerl brachte uns zum Hafen-Check-point – “c’est normal”, kommentierte er unseren Dank. Anschliessend gab es ein schmackhaftes Kabinen-Diner, begleitet von einem Primitivo aus unsren Reservebeständen von Genua. – Lesson learned: Landgänge sind für Seeleute mit etwelchen Überraschungen verbunden.